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Ich habe ihn als Kind im Fernsehen gesehen und nichts kapiert, aber war komplett von ihm fasziniert: Marcel Reich-Ranicki im “Literarischen Quartett”.

Er gestikuliert, widerspricht, lacht, urteilt, regt sich völlig auf — und das über Bücher. Im Fernsehen. Zur Primetime. Ich kannte damals nur Christine Nöstlinger. Ich wusste nicht, wer Grass war. Oder Walser. Oder warum diese Männer sich manchmal so streiten wegen eines Romans.

Aber ich wusste: Dem ist das wirklich wirklich wichtig. Das hat sich mir eingeprägt.

Seitdem frage ich mich: Wer bringt mich eigentlich zum Lesen? Und nicht nur mich, sondern uns alle? Vor allem in Zeiten, in denen wir kaum Muße finden und uns trotzdem ständig etwas empfohlen wird? Darum kreist diese #sonntagslese. Und um eine These, die mir über die Jahre immer wichtiger geworden ist: Es gibt einen Unterschied zwischen einer Empfehlung, die mich überrumpelt, und einer, die mir nur bestätigt, was ich ohnehin mag.

Drei Zeitungen, ein Buch

Ich war in der 9. Klasse. Meine Deutschlehrerin brachte uns Rezensionen aus drei verschiedenen Zeitungen mit: alle über dasselbe Buch. Das Ziel war doppelt: Sie wollte uns das Zeitunglesen näherbringen. Und sie wollte uns zeigen, wie man über Literatur spricht, wie man eine gute von einer schlechten Kritik unterscheidet.

Ich war sofort Feuer und Flamme.

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