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Am Pool, zweite Reihe: Eine Frau legt ihr Buch weg, als der Kellner kommt. Cover nach unten. Zwei Liegen weiter liegt ein dickes Sachbuch, Cover nach oben, den ganzen Nachmittag und abends wandert es mit an den Esstisch.

Im Sommer sehe ich das ständig, weil Bücher plötzlich öffentlich herumliegen: am Pool, im Zug, im Café. Und ich linse. Natürlich linse ich…

Meine völlig unwissenschaftliche Beobachtung: Das dicke Sachbuch liegt meistens neben einem Mann, mit dem Titel nach oben. Der Schmöker liegt neben einer Frau und verschwindet schneller in der Tasche.

Warum fühlt sich manches Lesen vorzeigbarer an als anderes?

Bild: Victoria Dokukina (unsplash)

Sie liest Zitronen. Er liest Krieg.

Wir glauben gern, unser Urteil über ein Buch beginne beim Lesen. Tatsächlich haben wir meistens längst geurteilt, bevor wir die erste Seite gelesen haben.

Bevor ein Buch irgendetwas erzählt, erzählt sein Umschlag. Pastellgelb, Zitronen, geschwungene Schrift. Oder mattschwarz, strenge Serifen, ein Panzer im Gegenlicht.

Beides sagt nichts über die Qualität des Textes. Beides sagt aber sehr viel darüber, für wen das Buch gedacht ist und wie ernst wir es nehmen sollen.

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