Vor ein paar Tagen habe ich meine Kinokarte für Nolans Odyssee per QR-Code gelöst, Google Maps hat mich ins Parkhaus geleitet , und seither serviert mir der Algorithmus zuverlässig weiteren „Sagen-Content”.
Mit der Welt des Odysseus habe ich auf den ersten Blick ungefähr so viel gemeinsam wie mit einem Zyklopen.
Deshalb: Warum berührt mich ein rund 2.700 Jahre alter Stoff, der von Menschen erdacht wurde, deren Alltag mit meinem nichts, wirklich gar nichts gemeinsam hat?
Meine Antwort, frei nach einem alten Wahlkampfspruch: It’s the literature, stupid.
Die teuerste Wette Hollywoods
Hier die nüchternen Zahlen: rund 250 Millionen Dollar Budget, Nolans teuerster Film, als erster komplett mit IMAX-70-mm-Kameras gedreht, Matt Damon als Odysseus. Und die Vorlage? Kostet keinen Cent Lizenz. Sie ist älter als das Urheberrecht, älter als Rom, älter als das Buch, wie wir es kennen.
Hollywood ist vieles, aber nicht sentimental. Wenn dort jemand eine Viertelmilliarde auf einen Text setzt, dann weil die Rechnung stimmt: Diese Geschichte funktioniert. Immer noch. Immer wieder. Das beweist noch keine literarische Qualität. Aber es ist ein ziemlich teures Indiz dafür, dass diese Geschichte noch immer Menschen in einen Saal zieht.

KI-generiertes Bild mit Nano Banana
Hinter jedem Buchrücken eine Welt
Als Kind stand ich manchmal einfach so vor irgendwelchen Bücherregalen. Ich wollte mir nichts auszusuchen, mich faszinierte der Gedanke, dass hinter jedem dieser Buchrücken eine ganze Welt liegt. Eine Welt, die beim Lesen nur für mich entsteht, obwohl Tausende Menschen denselben Text vor sich haben können.
