Nächste Woche ist mein Hochzeitstag. Was liegt da näher als eine sonntagslese über die Liebe. Zuerst dachte ich: oh, wie wunderbar. Dann kann ich Euch zu Beginn der kuschligen Herbstzeit einfach meine unvergesslichsten Liebesromane empfehlen. Beim Zusammenstellen ist mir jedoch aufgefallen, dass am Schluss fast immer mindestens einer tot oder zumindest todunglücklich ist.
Warum liebe ich diese Romane trotzdem so sehr? Auch wenn weit und breit kein Happy End zu sehen ist und man im echten Leben doch eigentlich genau darauf hinarbeitet.
Hat die Literatur keine Lust auf glückliche Liebe?
Würden Sie mit mir sterben wollen?
Heinrich von Kleist hat diese Frage tatsächlich gestellt. Und auch jemanden gefunden, der sie bejahte. Henriette Vogel selbst war unheilbar krank, er, verschuldet, erfolglos und verzweifelt. Sein letzter Brief enthielt den Satz: „Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war“. Erst erschießt er sie und dann sich selbst.
Das ist nicht nur eine Biografie, das ist sein gelebtes Werk.
Und der Rest?
Romeo und Julia: tot. Werther: tot. Tristan und Isolde: tot. Anna Karenina: tot.
