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Aktuell stehe ich mit meinem Van in der Normandie am Strand. Angenehme 20 Grad, leckeres Baguette zum Frühstück (klar) und mein Blick wandert über diese historischen Strände.

Ich bin am Omaha Beach, sehe die Denkmäler, die Bunkerreste, die Kreuze; erkenne das Alter der Verstorbenen auf den Grabsteinen.

Wie sollte ich hier anders als über deutsche Verantwortung und Schuld nachdenken? Über all das, was in den Jahrzehnten folgte? Oder über die deutsche Teilung, die mich auch ganz persönlich direkt betrifft?

Meine Gedanken ähneln den inhaltlichen Schwerpunkten der deutschsprachigen Literatur. Anders in der französischen Literatur: dort spielen nicht die Vergangenheiten, sondern die Strukturen die größte Rolle: Klasse, Milieu, sozialer Aufstieg.

Das Ich formt sich dort nicht aus der Geschichte, sondern aus der Gesellschaft.

Frankreich hat eine starke Tradition der literarischen Gesellschaftsdiagnose (Leitfrage: Woher komme ich sozial?). Deutschland eine starke Tradition der literarischen Erinnerungsarbeit (Leitfrage: Woher komme ich historisch?).

Dem will ich als Laie hier mal nachgehen: Warum und vor allem: wie erzählt das eine Land seine Gegenwart aus der Gesellschaft und nicht aus der Geschichte?

Bild: privat

Was der Aufstieg kostet

Es gibt einen Begriff für diese bestimmte Form des Schreibens: Autosoziobiografie. Das eigene Leben wird nicht erzählt, weil das eigene Leben so außergewöhnlich wäre, sondern weil sich daran gesellschaftliche Strukturen untersuchen lassen.

Das Ich als Fallbeispiel.

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